Gesellschaftswissenschaftlicher Bereich

Die Fächer des gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeldes sind wissenschaftliche Disziplinen, die aus unterschiedlichen Perspektiven den gesellschaftlichen Kontext behandeln, in dem Menschen als soziale Wesen agieren.


Zum Bereich der Gesellschaftswissenschaften gehören in der Sekundarstufe I die Fächer Erdkunde, Geschichte und Politik, die in unterschiedlichen Jahrgangsstufen jeweils 2-stündig unterrichtet werden. Dabei wird das Fach Erdkunde in den Jahrgangsstufen 5, 8 und 9 erteilt, das Fach Geschichte in den Klassen 6, 7 und 9 und das Fach Politik in den Stufen 5, 7 und 9. (Religionsmündige) Schülerinnen und Schüler, die sich in Klasse 9 vom Religionsunterricht abmelden, müssen als Ersatz das Fach Praktische Philosophie belegen.


Im Kurssystem der Oberstufe erweitern am Gymnasium Petrinum die Fächer Pädagogik und Philosophie das Angebot des gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeldes. Aus Politik wird das Fach Sozialwissenschaften. Diese Fächer werden in der Jahrgangsstufe Einführungsphase 3-stündig unterrichtet, in der Qualifikationsphase in 5-stündigen Leistungs- oder 3-stündigen Grundkursen. Sämtliche Fächer werden derzeit als Leistungskurse angeboten und bei hinreichender Nachfrage auch eingerichtet. Mindestens eines der Fächer muss in der Sekundarstufe II durchgehend belegt und als Abiturfach belegt werden, wobei auch das Fach Religion (katholisch oder evangelisch) den gesellschaftswissenschaftlichen Bereich im Hinblick auf die Belegungspflicht im Abitur vertreten kann.

Erdkunde

"Nichts ist fähiger, den menschlichen Verstand mehr aufzuhellen, als gerade die Geographie." (Immanuel Kant, 1802)

Geographie ist eine Wissenschaft, die sich mit den Strukturen und den Vorgängen an der Erdoberfläche beschäftigt. Die Geographie entwickelt Konzepte zum Verständnis und zur Lösung von Problemen zwischen Mensch und Umwelt. Als "Mutter der Wissenschaften", wie Kant sie nannte, ist Geographie gleichermaßen eine Gesellschaftswissenschaft wie eine Naturwissenschaft. In der Schule ist die Geographie durch das Fach Erdkunde vertreten.

Gerade in der heutigen, globalisierten Welt wird Geographie immer wichtiger, um sich in der Welt zurechtzufinden und die Zukunft unseres Planeten mitgestalten zu können.

Erdkunde wird am Petrinum in der Sekundarstufe I in den Jahrgangsstufen 5, 8 und 9 sowie in der gesamten Sekundarstufe II als Grund- und als Leistungskurs unterrichtet.

Exkursionen

In der Oberstufe werden regelmäßig Exkursionen zu den Unterrichtsinhalten durchgeführt.
Ziele sind beispielsweise der Braunkohletagebau Garzweiler in der Unterrichtsreihe „Energieressourcen und deren Nutzung“, die Stadt Münster in der Unterrichtsreihe „Stadtgeographie“ oder Willingen zum Thema „Tourismusgeographie“.
Ziel der Exkursionen ist es, durch Besichtigungen, Kartierungen, Befragungen etc. das im Unterricht erworbene Wissen anzuwenden und Einblicke in konkrete Beispiele zu erhalten.


Braunkohletagebau Garzweiler

Besichtigung des Braunkohletagebaus in Garzweiler am Niederrhein

 
 
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Stadtgeographie in Münster

Erkundung der historischen Stadtentwicklung (auch mit Hilfe von Stadtmodellen) und des städtebaulichen Entwicklugnsgebietes am Hafen in Münster

 
 
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Industriegeographie bei Egger, Brilon


Besichtigung von Egger eines Industriebetriebs unter den Aspekten Produktionsprinzipien, Unternehmensstruktur und Logistik

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Erdkundewettbewerb

Die Erdkundeklassen des Petrinums nehmen regelmäßig am Erdkundewettbewerb „Diercke WISSEN“ teil. Dieser wird in den Klassen 8 und 9 sowie in der Einführungsphase durchgeführt. Die 5. Klasse nimmt am klasseninternen Wettbewerb „Wissen-Junioren“ für die Unterstufe teil.
Diercke WISSEN ist mit rund 280.000 Teilnehmern der Deutschlands größter Geographiewettbewerb. Der Wettbewerb zeigt über die Jahre eine große Resonanz und spiegelt das Interesse an Geographie wider.
Am Petrinum findet zunächst innerhalb der Klassen eine Vorauswahl statt. Die drei Besten einer Klasse treten dann im Schulwettbewerb an, dessen Sieger am Landeswettbewerb für NRW teilnehmen darf.

Schulsieger der letzten Jahre sind:
2014/15 Maik Spieckermann (9b)
2013/14 Marco Hanfland (9a)
2012/13 Fabian Decker (8a)

Erdkundewettbewerb 2015

Wir gratulieren Maik Spiekermann aus der Klasse 9b, der Schulsieger im diesjährigen Erdkundewettbewerb „Diercke Wissen“ ist. Ca. 260 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 5, 8, 9 und der Jahrgangsstufe EF haben sich dieses Jahr am Wettbewerb beteiligt.

Erdkundewettbewerb 2016

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Erdkundewettbewerb Diercke WISSEN am Petrinum

Wir gratulieren Paul Brinkmann aus der Klasse 9d, der Schulsieger im diesjährigen Erdkundewettbewerb „Diercke WISSEN“ ist und als Vertreter des Petrinums am Landesentscheid für Nordrhein-Westfalen teilnimmt.

Diercke WISSEN ist mit rund 280.000 Teilnehmern der Deutschlands größter Geographiewettbewerb. Der Wettbewerb zeigt über die Jahre eine große Resonanz und spiegelt das Interesse an Geographie wider. Er wird seit einigen Jahren auch regelmäßig am Petrinum durchgeführt. Ca. 270 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 5, 8, 9 und der Jahrgangsstufe EF haben sich dieses Jahr am Wettbewerb beteiligt.

Unterrichtsergebnisse

Im Zuge der Behandlung des Themas "Endogene Prozesse" konzipieren die Schülerinnen und Schüler ein Erklär-Video zu ihrem Unterthema. Von der Idee über die audio-visuelle Gestaltung bis hin zur Umsetzung bzw. Aufnahme arbeiteten die einzelnen Gruppen selbstständig.

Mit dem Ziel in Kürze und anschaulich komplexe Zusammenhänge zu erklären, schufen die Schülerinnen und Schüler bemerkenswerte Ergebnisse. Sehen Sie selbst!

(Erdkunde EF, Reschop)

Geschichte



Fahrten, Exkursionen:

Geschichtsexkursion der EF-Kurse nach Kalkriese am 22.Juni 2016

Zu der Unterrichtsreihe „Die Darstellung der Germanen in römischer und deutscher Perspektive“ sind die EF-Geschichtskurse in das Osnabrücker Land nach Kalkriese gefahren. Dort haben wir uns den vermutlich „wahren“ Ort der Varusschlacht im 9. Jahrhundert nach Christus angeschaut.
Varus war der römische Statthalter des fast vollständig von den Römern besetzten Germaniens, welches so von den Römern verallgemeinert benannt worden ist. Er versuchte, im Gebiet zwischen Rhein und Elbe das römische Rechtssystem und die römische Kultur einzuführen. Dies sorgte für starke Opposition der vielen germanischen Stämme.
Der Cheruskerfürst Arminius war in seiner Kindheit zum Erlernen der römischen Kultur nach Rom gebracht worden. Nun wurde er wieder als Fürst in seinem germanischen Stamm eingesetzt, um das römische Imperium zu sichern. Trotz dass sich laut Übermittlung Varus und Arminius gekannt und gemocht haben sollen, ist Arminius gegen Varus‘ Vorhaben, das besagte Gebiet zu romanisieren.
Im Spätsommer um 9 nach Christus zieht Varus mit einem Heer bestehend aus drei Legionen, Frauen, Kindern usw. in die Winterquartiere an der Lippe oder am Rhein. Nachdem ihm über Aufstände der Germanen berichtet wurde, beschließt Varus über einen Umweg die Germanen niederzuschlagen. Diese Aufstände wurden unter Führung von Arminius von den Germanen inszeniert, um Varus in eine Falle zu locken. Diese Inszenierung bewährte sich, sodass es Arminius und seinen Stämmen gelang, mehr als 10 000 Römer an der Kalkrieser-Niewedder Senke verhängnisvoll zu besiegen. Dieser Ort war von den Germanen geschickt für eine solche Schlacht gewählt, da durch den Kalkrieser Berg und der weiten Moorlandschaft den unvorbereiteten Römern aussichtslose Fluchtchancen vorlagen.
Mit dem Sieg dieser Schlacht konnte verhindert werden, dass das östliche Lipperland römisch wurde und somit ist dieses historische Ereignis sehr bedeutend für die Entwicklung unserer Kultur. Wie wären wir heute, wenn „wir“ römisch geworden wären?
Dennoch ist der tatsächliche Ort der Varusschlacht noch immer Spekulation, denn die Gegend des Teutoburger Waldes bei Detmold wird auch in Betracht gezogen.
Am Mittwochmorgen ging es direkt zu Schulanfang um 7.30 Uhr los mit der lautstarken Busfahrt, die mit viel guter Laune und Musik verbunden war. Gegen 10 Uhr sind wir in Kalkriese angekommen. Unsere Kurse wurden in zwei Führungen unterteilt. Die erste dauerte 90 Minuten und umfasste einen kurzen geschichtlichen Vortrag, eine Besichtigung des Gebietes auf dem Aussichtsturm und eine anschließende Führung durch die Ausstellung. Diese zeigte vor allem die wertvollen archäologischen Funde, die bei Grabungen entdeckt wurden. Ein beeindruckender Fund war die originale Reitermaske eines Römers. Weitere Ausstellungsstücke waren beispielsweise verschiedene Waffenteile der Römer, Münzen und sogar Haarspangen der Römerinnen.
Nach einer 30 minütigen Mittagspause ging es mit dem zweiten Teil der Führung weiter, indem wir zuerst echtgetreue Eindrücke über das Aussehen der Römer und Germanen erhielten. In unseren Gruppen wurden 4 bis 5 Schüler als Römerin, Sklave, Germane, Kämpfer usw. verkleidet und uns dabei detailliert über das Material, ihren Zweck und ihre Herstellung beschrieben. Im abschließenden Teil unserer Führung konnten wir hautnah die Fortschritte der archäologischen Ausgrabungen begutachten. Im Park des Museums hat man damalige Verhältnisse durch Bepflanzung und Rekonstruierung des germanischen Schutzwalls versucht darzustellen. Dadurch wurden uns die aussichtslose Situation der Römer und der geschickte militärische Zug der Germanen näher verständlich gemacht. Letztendlich hat man sich durch die vielen Berichterstattungen und Forschungsergebnissen aus der Archäologie gefühlt, als sei man „mitten drin“ gewesen.
Um ca. 13.30 Uhr ging es mit allen Kursen zurück nach Brilon. Unsere Exkursion endete mit unserer Ankunft um 16.30 Uhr.
Der Tag hat uns eine Menge Spaß und einschneidende Eindrücke über die Geschehnisse von vor über 2000 Jahren gebracht. Wir haben Geschichte „hautnah“ erlebt und damit unsere Unterrichtsreihe anschaulich bereichert. Einen besonderen Dank geht an unsere Geschichtslehrer Frau Nolte und Herrn Thüer für die tolle Organisation, sowie an die Leiter/innen unserer Führungen des Museums in Kalkriese.

Mara Niggemann

Politik/Sozialwissenschaften

Das Fach Politik wird am Gymnasium Petrinum in den Klassen 5, 7 und 9, das Fach Sozialwissenschaften in der Oberstufe in Grund- und Leistungskursen unterrichtet.
In der Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Themen und Fragestellungen sollen Schülerinnen und Schüler die notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln können, um sich mit wesentlichen Zukunftsfragen unserer Gesellschaften befassen zu können. Interesse zu wecken, sich mit lokalen, nationalen und globalen Themen zu beschäftigen, die Handlungsweisen von Individuen und Gruppen unter Berücksichtigung von Wertvorstellungen und Interessen zu erfassen und einzuordnen und sich eine eigene kriterienorientierte Meinung zu bilden und zu vertreten, ist Ziel dieses Faches.
Der Unterricht ist in besonderer Weise schüler- und handlungsorientiert mit der Absicht den Lernenden zu befähigen, am politischen und wirtschaftlichen Leben engagiert teilzuhaben, um somit seine individuellen Interessen wahrzunehmen und durchzusetzen.
Das bedeutet auch, dass das Fach innerhalb der gesellschaftswissenschaftlichen Grundbildung sehr großen Wert darauf legt, dass die Schülerinnen und Schüler sich wichtige Schlüsselqualifikationen (Teamfähigkeit, Medienkompetenz, Kommunikationsfähigkeit) aneignen können, denn nur auf dieser Basis ist es möglich ein demokratisches Bewusstsein auszubilden und die Rolle als mündige Bürgerinnen und Bürger in politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen wahrnehmen und ausfüllen zu können.

Pädagogik

Unterrichtsfach Pädagogik

Das Fach Pädagogik gehört zum gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld und wird nur in der Oberstufe unterrichtet. Es kann ab der 10. Klasse (Einführungsphase) gewählt und in den Jahrgangsstufen 11 und 12 (Qualifikationsphase) als Grund- oder Leistungskurs fortgeführt werden.

Dem Leitbild des Petrinums entsprechend, verfolgt der Unterricht im Fach Pädagogik das übergeordnete Ziel, den Schülerinnen und Schülern Kompetenzen zu vermitteln, die sie zu einer bewussten und selbstbestimmten Lebensführung in sozialer Verantwortung befähigen sollen. Vor dem Hintergrund einer ganzheitlich ausgerichteten humanistischen Erziehung, die durch eine fürsorgliche, fördernde, aber auch fordernde Lernkultur geprägt ist, stehen die Wertschätzung der eigenen Person, die Achtung der Andersartigkeit der Mitmenschen, der Einsatz für den Frieden und der gewissenhafte Umgang mit der Umwelt im Vordergrund.
Fachspezifisch geht es im Pädagogikunterricht um die kritisch-reflektierende Auseinander-setzung mit der Erziehungswirklichkeit: Erziehungsprozesse werden aus verschiedenen Per-spektiven beschrieben, analysiert, reflektiert, beurteilt und diskutiert. Dabei werden auch an-dere wissenschaftliche Disziplinen, wie z.B. Psychologie, Soziologie und Philosophie, sowie fachübergreifende Fragestellungen einbezogen.

Die dabei zu erwerbenden Teilkompetenzen lassen sich in zwei große Bereich unterteilen:

  1. Fach- und Methodenkompetenz (Wissenschaftspropädeutik)
    Wie alle Fächer der gymnasialen Oberstufe hat auch das Fach Pädagogik den Anspruch, wissenschaftspropädeutisch zu arbeiten. Dazu gehört es, aufbauend auf dem Allgemeinwissen der Schülerinnen und Schüler systematisch fachliches Grundlagenwissen zu vermit-teln und zu vertiefen. Um ein zunehmend selbständiges Lernen und Arbeiten zu ermöglichen, werden von Anfang an grundlegende wissenschaftliche Erkenntnis- und Verfahrensweisen schrittweise erarbeitet. Dabei erfordern die Inhalte die Fähigkeit, problem- und prozessbezogen zu denken, sachgemäß zu argumentieren, historische Bezüge und Relativität zu erkennen, grundlegende wissenschaftstheoretische und philosophische Fragestellun-gen und Deutungen der Wirklichkeit zu verstehen und zu reflektieren.

  2. Personale und soziale Kompetenz (Handlungspropädeutik)
    Die Möglichkeit zum selbständigen Lernen und Arbeiten soll Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit bieten, ihre individuellen Fähigkeiten zu entdecken und zu erproben, persönliche Talente und Interessen kreativ und produktiv zu entfalten und ihre Urteils- und Handlungsfähigkeiten zu entwickeln. Gleichsam kommt der Entwicklung sozialer Kompetenzen, verbunden mit der Ausbildung einer demokratischen, kooperativen und emanzipierten Grundhaltung, eine besondere Bedeutung zu. Dabei spielt auch die Förderung von Toleranz, Dialogbereitschaft und Kommunikationsfähigkeit eine wichtige Rolle.
    Da die Erziehungswissenschaft durch einen unauflösbaren Zusammenhang von Theorie und Praxis gekennzeichnet ist, nimmt die Handlungspropädeutik im Unterricht einen bedeutenden Stellenwert ein. Neben pädagogischen Exkursionen und Expertenbefragungen fungieren Pädagogikschülerinnen und –schüler des Petrinums z.B. auch häufig als Paten für fünfte Klassen oder übernehmen die Kinderbetreuung am Tag der Offenen Tür.


Philosophie

Philosophie

Informationen zu einem neuen Fach in der Oberstufe

Im Unterschied zu altbekannten und bewährten Fächern, von denen SchülerInnen wissen oder zu wissen meinen, was auf sie zukommt und was von ihnen erwartet wird, wissen sie in der Regel über das Fach Philosophie sehr wenig. Bereits bei der Frage, was denn Philosophie sei, fangen die Schwierigkeiten an, da das Spektrum dessen, was unter „Philosophie“ zu verstehen ist, sehr breit gefächert ist.
Daher kann hier auch nur sehr grob etwas Grundsätzliches zur Philosophie und zum Philosophieunterricht gesagt werden. Die Philosophielehrer unserer Schule sind aber gern bereit, Neugierigen und Interessierten nähere Auskünfte zu geben.

Die Philosophie bietet weder endgültige Antworten auf bestimmte Fragen noch „ewige Wahrheiten“. Philosophen sind vielmehr bestrebt, allgemein vertretene Auffassungen, überlieferte Verhaltensweisen, Regeln und Normen kritisch zu überprüfen. Sie versuchen daher systematisch, eine kritische Distanz zu Vertrautem und Selbstverständlichem zu gewinnen. Philosophen gehen bei ihrem Bemühen um Erkenntnis und die Lösung von Problemen nicht davon aus, dass sie Antworten von umfassender und abschließender Gültigkeit erhalten werden. Ein solches Ansinnen muss am Ausmaß der jeweiligen Fragen (vgl. Seite 2) und an den Grenzen der menschlichen Vernunft seine Schranken finden. Philosophisches Fragen und Prüfen hat keine wohlgeformten Wahrheiten zum Ziel, die man als handfeste Ergebnisse einer gezielten Suchaktion einsammeln und forttragen könnte. Philosophie ist untrennbar verbunden mit der stets gegenwärtigen Möglichkeit des Irrtums, mit dem Scheitern der Wahrheitssuche und der dennoch unbeirrten Hoffnung, immer bessere Vorschläge zum Verständnis und zur Gestaltung unseres Lebens entwickeln zu können.
Es geht der Philosophie vor allem darum, zu bestimmten Fragen und Problemen begründete Standpunkte zu gewinnen, die unabhängig sind von gerade aktuellen Interessen, Trends oder bestimmten Ideologien, deren Voraussetzungen ihrerseits wieder überprüft werden. Nur Standpunkte, die durch (selbst)kritisches Nachdenken, Vergleichen und Abwägen gewonnen werden, können begründete und sinnvolle Entscheidungs- und Handlungsorientierungen ermöglichen.

Im Mittelpunkt philosophischen Arbeitens steht also das Fragen. Natürlich gibt es auch Antworten; diese provozieren aber immer wieder weiteres Fragen. Der Philosophieunterricht kann Hilfestellungen und Anregungen zu philosophischem Fragen und Prüfen geben. Eine richtige Antwort wird er nicht geben. Dies zu sagen, gebietet die Fairness.
Der Philosophieunterricht ist demnach besonders interessant für SchülerInnen, die bereit sind, sich (selbst)kritisch mit unterschiedlichen Auffassungen und Standpunkten auseinanderzusetzen und konsequent zu arbeiten. Für Denkfaule ist Philosophie nun wirklich nichts - und auch nicht für SchülerInnen, die mit geringem Arbeitsaufwand eine gute Note erzielen wollen. Denn die Durchführung des Philosophieunterrichts ist gekennzeichnet durch eine disziplinierte methodische Auseinandersetzung mit Problemen, Problemlösungen und Problemlösungsstrategien, wozu vor allem auch das Arbeiten mit argumentativen Texten gehört. Ein Hauptziel der Arbeit an und mit philosophischen Texten ist es, in der kritischen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Argumenten und Lösungsmöglichkeiten zu unterschiedlichen Problemen eigene begründete Standpunkte zu finden. Ein nicht weniger wichtiges Ziel des Philosophieunterrichtes ist es, Bedingungen und Methoden vernünftigen Argumentierens zu durchdenken, zu diskutieren und - vor allem! - anzuwenden.

Anmerkung zum Organisatorischen: Philosophie ist ein eigenständiges Fach des sogenannten „gesellschaftlichen Aufgabenfeldes“ und kann als Grund- oder Leistungskurs und damit als eines der vier Abiturfächer - gewählt werden. Zwar ist jemand, der das Fach Religionslehre abwählt, verpflichtet, Philosophie zu belegen; doch unterscheiden sich die beiden Fächer inhaltlich und methodisch nicht unerheblich. Im übrigen spricht nichts gegen die Belegung beider Fächer; die beiden Fächer stehen nicht in einem Gegensatz zueinander


Die auf der nächsten Seite folgenden beispielhaften Fragen sollen die Themenbereiche des Philosophieunterrichts in den verschiedenen Phasen der Oberstufe andeutungsweise veranschaulichen. Weitere Informationen und Material zum Philosophieunterricht an unserer Schule finden sich in den von Herrn Piel erstellten Ordnern unter: http://cid-458c5a43bf54dd47.skydrive.live.com/home.aspx

        Einführungsphase

  • Gibt es Zusammenhänge zwischen philosophischen Problemen und solchen des alltäglichen Lebens? Kann Philosophie zur Bewältigung von Fragen und Problemen unserer Lebenspraxis (auf welche Weise?) beitragen?
  • (Worin) bestehen Unterschiede zwischen Philosophie, Mythen und Erfahrungswissenschaften?
  • Welche Methoden und Strategien des Argumentierens und Texterschließens sind in der Philosophie grundlegend?

  • Welche grundlegenden philosophischen Fragen bzw. Probleme gibt es in den Bereichen des Erkennens und Handelns? Was können wir mit Gewissheit erkennen?
  • Ist der Mensch ein besonderes Lebewesen?
  • Sprachliche, reflexive und soziale Fähigkeiten des Menschen
  • Eine Ethik für alle Kulturen?
  • Der Anspruch moralischer Normen auf Geltung in verschiedenen Kulturen
  • Wann darf und muss der Staat die Freiheit des Einzelnen begrenzen?
  • Die Frage nach dem Recht und der Ge-rechtigkeit
  • Kann der Glaube an die Existenz Gottes vernünftig begründet werden?
  • Metaphysische Vorstellungen und ihre Kritik

    Qualifikationsphase 1
    Probleme der Bestimmung des Menschen
  • Worin besteht die Würde jedes Menschen, und (wie) lässt sie sich begründen?
  • (Wodurch) unterscheidet sich der Mensch von Tieren oder von „hochintelligenten“ Technologien und Robo-tern?
  • Inwieweit kann und darf der Mensch die vorgefundene Wirklichkeit überwinden und verändern?
  • Ist der Mensch frei, oder sind seine Entscheidungen und Handlungen fest geprägt (z. B. durch die soziale Umwelt, Erbanlagen, Triebe o.Ä.)?
  • Gibt es philosophische Prinzipien zur Verwirklichung eines glücklichen und sinnvollen Lebens?
  • Probleme des menschlichen Handelns (Ethik)
  • Gibt es oberste Werte als allgemeingültige Orientierungsmarken für menschliches Handeln?
  • Kann es überhaupt verbindliche Handlungsprinzipien für alle Menschen geben?
  • In welchem Verhältnis stehen moralische Normen und gesellschaftliche Konventionen?
  • Wie lassen sich unterschiedliche philosophische Begründungsverfahren moralischer Normen voneinander abgrenzen und beurteilen?
  • Wie soll man moralische Urteile gegenüber solchen Menschen begründen, die nicht die eigenen Überzeu-gungen teilen?
  • Wie weit darf, soll oder muss Toleranz gegenüber Andersdenkenden gehen?
  • Wie sollen oder dürfen wir mit der nichtmenschlichen Natur umgehen?

    Qualifikationsphase 2
    Probleme in Politik und Gesellschaft
  • Kann es eine ideale Staatsform geben?
  • Wem nützt der Staat?
  • Führt die demokratische Staatsform dazu, dass Mehrheiten sich immer auf Kosten von Minderheiten, die über (zu) wenig Macht verfügen, durchsetzen?
  • Gibt es verbindliche wechselseitige politische und Rechte und Pflichten zwischen Bürgern und staatlichen Einrichtungen?
  • Was ist eine gerechte Gesellschaftsordnung?
  • Lassen sich Grundregeln ermitteln und begründen, die ein dauerhaftes friedliches Zusammenleben aller Staaten ermöglichen?
  • Sind wir auch für die Lebensqualität unserer Nachkommen verantwortlich?
    Möglichkeiten und Grenzen der menschlichen Erkenntnis und der Wissenschaften
  • Kann es sichere Erkenntnisse geben, oder ist jede Erkenntnis nur kultur- und zeitgebunden und subjektiv? Gibt es universelle Erkenntnisbedingungen, die für alle Menschen zu allen Zeiten gelten?
  • Gibt es die Wahrheit unabhängig von uns, oder wer legt fest, was als wahr zu gelten hat?
  • Was ist die Wirklichkeit?
  • In welchem Sinne sind welche Wissenschaften objektiv? Wodurch zeichnen sich wissenschaftliche Erkenntnis-weisen von denen unseres Alltagslebens aus?
  • Was bedeutet „wissenschaftlicher Fortschritt“?
  • In welchem Verhältnis stehen Natur- und Geisteswissenschaften?

Gymnasium Petrinum Brilon

Zur Jakobuslinde 21
59929 Brilon

Tel: 0 29 61 / 97 45 33

Fax: 0 29 61 / 97 45 66

E-Mail: sekretariat@petrinum-brilon.de

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