Streitschlichter

Unser Beratungskonzept

Was ist „Mediation“?


Mediation ist eine aufgrund der freiwilligen Annahme

eines Angebotes

zustande gekommene Vermittlung in Streitfällen

durch unparteiische Dritte,

die von allen Seiten akzeptiert werden.

Die Vermittler oder Streitschlichter

helfen den Streitenden,

eine einvernehmliche Lösung

in dem vorgelegten Fall zu finden,

bei der die Interessen und Empfindungen

der Streitenden

optimal berücksichtigt werden.

Die Streitenden verpflichten sich

in einer schriftlichen Vereinbarung,

eigene Beiträge

zur Beilegung des Streites zu leisten.

Die Einhaltung der Verpflichtung

wird nach einer festgelegten Zeit überprüft.

Grundlagen und Leitideen alternativer Konfliktlösung in Schulen


Es kann nicht darum gehen, Konflikte in der Schule abzuschaffen. Konflikte gehören zum Leben wie Luft zum Atmen. Unsere Antworten beziehen sich auf den Umgang mit Streit. Es geht uns um eine Streitkultur.
Sehr oft landet Streit der Schüler bei der Lehrkraft oder beim Schulleiter. Im Schulalltag muss dann schnell gehandelt werden. Irgendwo warten 30 Schüler auf Unterricht oder eine Besprechung darf nicht versäumt werden. So entsteht eine gewisse Routine im Umgang mit den Konflikten in der Schule. Zurück bleibt aber häufig der Eindruck, dass mehr Zeit nötig gewesen wäre, um in Ruhe zuzuhören, vielleicht um zu erfahren, wie es zu diesem Streit gekommen ist.

Zwei Probleme ergeben sich häufig im Schulalltag:

  • Viele Konflikte müssen aus Zeitnot „zwischen Tür und Angel“ geregelt werden.
  •  Schüler geben ihren Konflikt beim Lehrer oder Schulleiter ab, damit er für sie gelöst wird.

So geschieht es, dass wir im Schulalltag häufig nur „Waffenstillstand“ erreichen, aber keinen Frieden schaffen. Es fehlt die Zeit und manchmal auch das Vertrauen, der Lehrkraft zu erzählen, worum es bei diesem Streit wirklich geht.
Beide angesprochenen Probleme lassen sich verringern, wenn wir den Schülern zutrauen und sie befähigen, dass sie selbstverantwortlich viele von ihren Konflikten regeln. Wir müssten ihnen nur die entsprechenden Mittel geben.

Daraus ist das Programm „Gewaltfreie und selbstverantwortliche Streitschlichtung durch
Schülerinnen und Schüler“ entstanden. Es besteht aus zwei Schwerpunkten:
1. Streitschlichtung durch Schülerinnen und Schüler
2. Handeln im Umfeld (Unterricht und Schulleben)
Handeln in beiden Schwerpunkten wirkt sich dann wechselseitig positiv aus, wenn Schüler handeln können und dürfen auf Grund von Vereinbarungen oder Verständigung und nicht nur auf Grund von Anordnungen.

Folgende Ziele werden mit diesem Programm verbunden:

  • Streit unter Ihresgleichen schlichten, soweit er den Erziehungsprozess stört, 
  • einen stärkeren Sinn für Zusammenarbeit und für die Schulgemeinde entwickeln, 
  • das Schulleben verbessern, indem Spannungen und Feindseligkeit vermindert werden, 
  • Schülerbeteiligung steigern und ihre Führungseigenschaften steigern, 
  • Kommunikation,kritisches Denken und Fertigkeiten fürs Leben entwickeln, 
  • Schüler-Schüler-Beziehungen und Schüler-Lehrer-Beziehungen verbessern, 
  • Selbstachtung aufbauen.


Der Prozess der Vermittlung ist in vier Schritte gegliedert:

1. Schritt: Schlichtung einleiten

Die Kontrahenten sind miteinander so verstrickt, dass sie beide nicht erreichen, was sie wollen. Es geht darum, die Ziele der Schlichtung und die Grundsätze zu benennen, den bevorstehenden Prozess zu erläutern. Der Vermittler verständigt sich mit den Konfliktpartnern über Gesprächsregeln, dass sie dem jeweils anderen zuhören, ohne ihn zu unterbrechen oder zu beschimpfen.


2. Schritt: Sachverhalt klären und Anteile finden

Die Kontrahenten setzen sich auseinander und legen ihre Positionen dar. Dabei fliegen oft die Fetzen. Der Vermittler sorgt dafür, dass die Kontrahenten ihre Differenzen klar und deutlich formulieren. Die Kontrahenten sollen sich gegenseitig verstehen. Hilfreich ist es, die eigene Befindlichkeit ausdrücken zu können. Ziel dieses Schrittes ist es, die eigenen Anteile am Konflikt zu finden und sie dem anderen zu sagen.


3. Schritt: Lösungen suchen und Verständigung finden

Die Kontrahenten setzen sich zusammen und überlegen gemeinsam Lösungsmöglichkeiten. Sie denken in zwei Richtungen:
1. Was bin ich bereit zu tun?
2. Was erwarte ich vom anderen?
Sie suchen Lösungen, mit denen beide leben können.


4. Schritt: Vereinbarungen treffen und schriftlich festhalten

Die Kontrahenten haben einen Weg gefunden zu erreichen, was sie von Anfang an wollten. Die Vereinbarung wird schriftlich festgehalten und unterschrieben. Das erhöht die Verpflichtung.
In dem hier skizzierten Prozess der Vermittlung bietet der Leitfaden mit seinen festen Ritualen eine Garantie für ein dialogorientiertes Gespräch. Sechs Punkte sind in diesem Prozess besonders markant. Sie unterstützen intensiv ein dialogisches Denken. Außerdem kann im Schulalltag jeder Punkt im Unterricht oder im Schulleben verwirklicht werden und so auf eine gewaltfreie selbstverantwortliche Konfliktlösung fördernd einwirken.


Mediation in der Schule ist an folgenden Merkmalen zu erkennen:

  •  Freiwilligkeit 
  •  Vermittlung durch Seinesgleichen 
  •  Der unparteiische Dritte 
  •  Anwesenheit beider Konfliktparteien 
  •  Der respektvolle Dialog 
  •  Die schriftliche Vereinbarung

Sechs markante Punkte geben dem Vermittlungsgespräch das besondere Gesicht und ermöglichen ein dialogorientiertes Gespräch:


1. Eine Verständigung über Regeln und Werte zu Beginn des Gesprächs für den geordne- ten Verlauf: Den anderen aussprechen lassen, sich nicht gegenseitig beschimpfen.

2. Empathie als zentrale Fähigkeit entfalten. Das bedeutet den Versuch, in den Schuhen des anderen zu laufen und vor allem im zweiten Schritt die Konfliktparteien dazu führen, den anderen an dem einen oder anderen Punkt zu verstehen.

3. Keine Schuldzuweisung zulassen, Kausalitätssprache statt Schuldsprache. Der Ver- mittler fragt nach den Gründen des Konflikts. Er hilft den Kontrahenten herauszufinden, was sie selbst dazu beigetragen haben, dass es zu diesem Konflikt kam (2. Schritt).

4. In sich hineinhorchen, auf den inneren Dialog achten. Die Kontrahenten sollten ihre eige- ne Rolle verstehen, die sie im Konflikt gespielt haben. Bei sich selbst anfangen! Durch Im- pulse des Vermittlers kann die Erkenntnis vorbereitet werden, dass der Hauptfeind nicht
draußen, sondern in jedem selbst steckt. Genau genommen hat jeder eine ganze Gruppe in sich versammelt. Zum Beispiel: Vorurteile, Antipathien, starre Prinzipien, schlechte Ge- wohnheiten, eigene Dogmen. Der Vermittler sollte Gelegenheit geben, in dieser inneren Versammlung zu forschen, indem die Kontrahenten herausfinden, wie sie zu diesem kon- kreten Konflikt beigetragen haben. Das ist gemeint, wenn jeder seine Anteile am Konflikt dem anderen sagen soll. Dieser innere Dialog mit sich selbst dürfte nicht ausfallen. Er wird zum Wegbereiter für den äußeren Dialog.

5. Im zweiten und dritten Schritt gibt es Ruhezeiten. Um selbst Lösungen zu finden oder sich vielleicht zu einer Lösung durchzuringen, muss Zeit gelassen werden. Dann kann es sein, dass die Kontrahenten selbst einen Weg zur Umkehr finden. 

6. In der Regel darf es keine einseitigen Lösungen geben. So können die Konfliktparteien ihr Gesicht wahren. Beim Suchen und Finden wirken sich zwei Fragestellungen positiv aus: Was erwarte ich vom anderen? und Was bin ich selbst bereit zu tun?
Für Wiedergutmachung, Versöhnung und Zusammenarbeit ist es hilfreich, Verpflichtungen auf sich zu nehmen und feste Zusagen zu geben. Das wird durch eine schriftliche Vereinbarung nach außen dokumentiert.
Die Verwirklichung dieser Punkte im Prozess der Vermittlung führt zu einem friedvollen Miteinander der Kontrahenten, so dass sie sich wieder in die Augen sehen können.

Feste Strukturen erleichtern Vermittlung

Für das Konfliktgespräch bietet sich nur der Dialog an. Die Debatte bringt immer Sieger und Verlierer hervor. Die Diskussion auch. „Wer hat Recht?“, das steht im Mittelpunkt.
Dialog aber bedeutet: Sich in Frage stellen, eventuell Abschied nehmen von lieb gewordenen Wegen und gewohnten Sichtweisen, offen sein für andere. Im Dialog geht es nicht darum, den anderen zu besiegen. So haben alle am Dialog Beteiligten einen Gewinn. Es gibt keinen Sieger und Verlierer. Wenn es dazu kommt, war es eben kein Dialog.

Gewinner – Gewinner / ’win-win’ – Resultat

In der Konfliktregelung gelingt es den Streitenden, ihren Konflikt zu klären. Niemand verliert sein Gesicht und es findet eine Verständigung über die Regulierung eines eventuell eingetre- tenen Schadens statt. Dadurch kann die Beziehung erhalten bleiben, vielleicht sogar verbes- sert werden, dann nämlich, wenn die Streitpartner durch den miteinander ausgetragenen Konflikt mehr Verständnis füreinander entwickeln konnten. Sie lernen, dass Auseinanderset- zungen auch positive Seiten haben können.
Es geht in dieser Konfliktregelung ohne Niederlage nicht darum, den Übeltäter zu bekämpfen, sondern das „Übel“. Hier wird auch auf das Ausüben von Macht verzichtet. Kommunikationsklärung und Verständigung stehen im Vordergrund.
Wichtige Voraussetzungen für das Erreichen der positiven Auswirkungen eines Konfliktaus- gangs ohne Niederlage ist die Bereitschaft, sich gegenseitig seine Gefühle, Bedürfnisse und Probleme mitzuteilen und für den anderen Verständnis zu zeigen. Ein offenes Aussprechen wirkt bereits schon entlastend und konfliktentschärfend. Das gemeinsame Suchen nach Lö- sungsmöglichkeiten und die gleichberechtigte Regelung des Konflikts führt schließlich zu einer Vereinbarung über das Verhalten beider Partner bei entsprechenden Konfliktsituationen in der Zukunft.
Darum sprechen wir vom dialog-orientierten Konfliktgespräch. Dialogisches Denken muss eingeübt werden.

Streitschlichter

Gymnasium Petrinum Brilon

Zur Jakobuslinde 21
59929 Brilon

Tel: 0 29 61 / 97 45 33

Fax: 0 29 61 / 97 45 66

E-Mail: sekretariat@petrinum-brilon.de

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