Seit Monaten wird im Bundestag der Wehrdienst diskutiert. Aber was bedeutet das für dich und welche Folgen bringen die beschlossenen Gesetze mit sich?
Eine Wehrmacht wurde in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg und dem damit eingehenden Sieg der Alliierten aufgelöst. Damals lag die Entscheidungsmacht bei den USA, Großbritannien, der Sowjetunion und Frankreich und diese forderten eine Demilitarisierung.
Als 1950 der Korea-Krieg ausbrach, brachte das gleichzeitig die Debatte der Wiederbewaffnung und die Frage der Wehrpflicht mit sich. Die schwarz-gelbe Regierungskoalition aus CDU und der FPD sprach sich deutlich dafür aus. Die SPD vertrat die gegensätzliche Meinung. Um die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik umzusetzen, benötigte es eine Änderung des Grundgesetzes. Diese nannte man „Wehrverfassung“. Schon zu dieser Zeit gab es viele Debatten um die allgemeine Wehrpflicht. Zusätzlich protestierten Gewerkschaften und die Kirche gegen die Einführung. Letztendlich kam es durch eine Abstimmung am 21. Juli 1956 trotzdem zu einer allgemeinen Wehrpflicht. Nun waren alle Männer zwischen 18 und 45 Jahren wehrpflichtig. Sie mussten einen verpflichtenden Dienst von 12 Monaten abhalten. Diese Dauer wurde zwischen 1962 und 1972 auf 18 Monate angehoben und dann schrittweise auf 6 Monate verkürzt.
In der DDR gab es die allgemeine Wehrpflicht seit 1962. Hier waren alle Männer zwischen 18 und 50, im Verteidigungsfall sogar bis 60 Jahren, wehrpflichtig. Sie wurden in der Regel aber nur bis zum 26. Lebensjahr eingezogen. Der Dienst dauerte immer 18 Monate. Ein erheblicher Unterschied stellt der nicht vorhandene zivile Ersatzdienst dar, wie es ihn in der BRD gab. Es gab wesentlich die Alternative des waffenlosen Wehrdienstes.
Schließlich kam es am 24. März 2011 zu der Aussetzung der Wehrpflicht. Dafür gab es diverse Gründe wie der Einsparungen an Militärausgaben, da nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und Ende des Warschauer Pakts im Jahre 1991 sich keine Bedrohung erkennen ließ. Außerdem waren kaum Wehrpflichtige mehr einsetzbar in Auslandseinsätzen der Vereinigten Nationen oder der NATO. Wichtig zu wissen ist, dass die Wehrpflicht nur ausgesetzt ist. Sie kann jederzeit wieder aktiviert werden, sobald vom Bundestag ein Spannungs- und Verteidigungsfall festgestellt wird. In solchem Fall sind alle Männer zwischen 18 und 60 wehrpflichtig.
Grundlage des Wehrdiensts ist der Artikel 12a des Grundgesetzes. Hier lässt sich das sogenannte Wehrpflichtgesetz finden. Dieses war zwischen 1956 und 2011 gültig, wurde danach aber ausgesetzt und nicht abgeschafft. Jeder, der aus Gewissensgründen den Dienst nicht antreten wollte, konnte einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung stellen. Dafür musste dann ein Ersatzdienst, auch Zivildienst, abgeleistet werden. Dieser konnte beispielsweise in der Alterspflege oder im Rettungsdienst stattfinden. Befreit war außerdem jeder, der mindestens vier Jahre im Zivil- und Katastrophenschutz aktiv war. Das findet man in Artikel 13a des Wehrpflichtgesetzes. Aufgrund der Freiwilligkeit ist ein ziviler Dienst momentan noch nicht notwendig, um zu verweigern. Der Bundestag behält sich aber eine mögliche Reaktivierung vor.
Am 5.12.2025 stimmte nach langen Diskussionen der Bundestag für die Einführung des Wehrdienstes, der vorerst auf Freiwilligkeit beruht. Das geschah mit 323 Stimmen dafür, 272 Stimmen dagegen und einer Enthaltung. Am 19. Dezember beschloss abschließend auch der Bundesrat das Gesetz. Dieses beinhaltet das Ausfüllen eines Fragebogens, der ab dem 1.1.2026 an alle 18-Jährigen verschickt wird. Männer sind dazu verpflichtet ihn auszufüllen, Frauen dürfen das freiwillig entscheiden. Wer den Bogen nicht abschickt, dem droht eine Strafe in Form von Bußgeld. Der Bogen fragt persönliche Daten, Verfügbarkeit, Bildungsabschlüsse und weitere Qualifikationen ab. Ab dem Jahrgang 2008 wird auch wieder eine verpflichtende Musterung eingeführt. Dafür wirst du in einen Karrierecenter in deiner Nähe eingeladen und es kommt zu einer medizinischen Musterung, die die körperliche, geistige und charakterliche Eignung überprüft.
Wenn du dich schließlich für den Wehrdienst entscheidest, ziehst du in eine Kaserne der Bundeswehr ein, in der du kostenfrei wohnen kannst. Dort erhältst du für 10 Euro täglich drei Mahlzeiten. Außerdem musst du keine Krankenkassenbeiträge bezahlen und auch deine Ausrüstung wird zur Verfügung gestellt. Mit deiner Uniform kannst du kostenlos Bahnfahren. Wie lange du dich verpflichtest, kannst du selbst entscheiden. Die kürzeste Verpflichtungszeit beträgt sechs Monate. Dann bekommst du ein Einstiegsgehalt von 2.600 Euro monatlich. Solltest du dich dazu entscheiden, einen 12-monatigen Wehrdienst anzutreten, erhöht sich dieser Gehalt auf 2.700 Euro. Außerdem erhältst du ab 12 Monaten Verpflichtungszeit einen Zuschuss für den privaten PKW- sowie LKW-Führerschein. Mit diesen Maßnahmen soll der neue Wehrdienst attraktiv gestaltet werden.
Ab dem 1.1.2026 gibt es nun wieder einen Wehrdienst. Grund hierfür sind die zunehmend angespannten internationalen Beziehungen. Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, der am 24. Februar 2022 startete, ist ein zentraler Auslöser. Seit 2024 gibt es außerdem die weitere Teilstreitkraft „Cyber und Informationsraum“. Allein hier sollen bis 2035 260.000 aktive Soldaten und 200.000 Reservisten gefunden werden. Des Weiteren hat der Bundestag ein Sondervermögen von über 100 Milliarden Euro freigegeben und zusätzlich die Ausnahme der Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben bestätigt. Damit soll es zu technischer Modernisierung und schnellerer Beschaffung von Waffen, Geräten und Materialien kommen. Außerdem soll die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte verbessert werden, um die Wehrfähigkeit aufrechtzuerhalten. Im neuen Wehrdienst soll besonders die Landes- und Bündnisverteidigung im Vordergrund stehen. Es wird das Ziel verfolgt auch in Friedenszeiten auf den Ernstfall vorbereitet zu sein und effizienter und zielgerichteter das Potenzial junger Menschen zu nutzen.
Momentan beruht das System noch auf Freiwilligkeit. Zahlen sind allerdings bis 2035 gesetzlich festgehalten. Diese müssen ab 2027 halbjährlich dem Bundestag vorgelegt werden. Bei einer nicht ausreichenden Freiwilligkeit wird es zu einer Verpflichtung kommen.
Gegen den neu eingeführten Wehrdienst gab es schon einige Demonstrationen. Mindestens 40.000 Schüler und Schülerinnen protestierten unter dem Motto „Schulstreiks gegen die Wehrpflicht“ in 80 Städten. Kritisiert wurde die fehlende Selbstbestimmung und eine zunehmende Militarisierung.
Auch die Jugendparteien haben sich zu der Diskussion geäußert. Die Junge Union begrüßt die Wiedereinführung. Sie fordern die Wehrpflicht, die ein verpflichtendes Jahr beinhaltet und vertreten somit die gleiche Position wie die CDU. Die grüne Jugend lehnt den Wehrdienst als Vorgänger von der Wehrpflicht ab. Die Grünen halten es für notwendig, die Freiwilligkeit zu stärken, indem die Jugend miteingebunden wird. Auch die Jusos kritisierten die Wiedereinführung mit der Begründung, dass so jungen Menschen in ihre Rechte eingegriffen werden würde.
Ich persönlich sehe eine Notwendigkeit in der Wiedereinführung. Es ist wichtig, dass unser Land in Zukunft wehrfähig ist, denn davon hängen die nächsten Jahre und unser Leben in dieser Zeit stark ab. Momentan gibt es viele internationale Gefahren und Spannungen, die diese Notwendigkeit verdeutlichen. Trotz des Aufbaus der Bundeswehr müssen Konflikte immer erst diplomatisch gelöst werden. Direkt zu Gewalt zu greifen ist keine angemessene Lösung und führt zu keinem wünschenswerten Ziel. Immer mehr internationale Streitpunkte und ungelöste Konflikte könnten zu einer ähnlichen Eskalation wie in 1914 führen – damals war das der 1. Weltkrieg. Um so ein Ereignis zu vermeiden, müssen Bündnisse wie die EU und NATO gestärkt werden, indem die Zusammenarbeit optimiert wird. Gleichzeitig darf sich Deutschland aber auch nicht zu sehr auf seine Bündnispartner verlassen. Deswegen ist es sinnvoll, langsam die Bundeswehr zu stärken. Das soll aber nicht mit dem Ziel geschehen, Krieg zu führen, sondern mit der Absicht, im Notfall abgesichert zu sein.
Insgesamt sehe ich den neuen Wehrdienst als Sicherheitsmaßnahme, aber auch als Chance für junge Menschen. Deswegen stehe ich dem Konzept der Freiwilligkeit vorerst kritisch gegenüber, da ich nicht davon ausgehe, dass sich genügend Freiwillige finden werden. Deswegen finde ich ein verpflichtendes Jahr besser, welches aber auch in anderen Bereichen abgeleistet werden kann. Das käme dem damaligen Zivildienst ähnlich. Ein von vornherein verpflichtendem Jahr wäre für alle planbar. Ich denke, dass es vielen jungen Menschen guttun würde, ein Jahr im sozialen Bereich tätig zu werden. Davon würden auch soziale Einrichtungen wie Krankenhäuser und Altenheime profitieren. Die jungen Menschen würden zwar den Fachkräftemangel nicht aufheben, könnten aber auch Arbeit übernehmen. Das wird Fachkräfte entlasten und Zeit schaffen. Dieser zivile Dienst muss aber sowohl für Männer als auch für Frauen gelten, um für Gleichberechtigung auch in diesem Punkt zu sorgen. Um den Wehrdienst aber weiterhin attraktiv zu gestalten, sollte es hier eine kürzere Verpflichtungsdauer als im zivilen Dienst geben.
Der neue Wehrdienst kann meiner Meinung nach nicht nur auf den Krieg vorbereiten, sondern auch das Übernehmen von Verantwortung stärken. Sowohl die Bundeswehr als auch soziale Bereiche sollen gefördert werden, indem ein ziviler Dienst eingeführt wird.
Quellen (Stand Februar 2026):
https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/550475/wie-funktioniert-die-wehrpflicht/
https://www.bundeswehr.de/de/menschen-karrieren/neuer-wehrdienst
https://www.bmvg.de/de/neuer-wehrdienst
https://www.dbwv.de/ticker/juso-chef-fordert-aenderungen-bei-wehrdienstgesetz
https://www.gruene-landtag-bw.de/aktuelles/neuer-wehrdienst-freiwilligkeit-staerken-jugend-einbinden/
https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/wehrdienst-schulstreik-protest-100.html
https://www.bpb.de/kurz-knapp/taegliche-dosis-politik/573701/proteste-gegen-das-wehrdienstgesetz/
https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/wehrdienstgesetz-abstimmung-100.html
https://www.tagesschau.de/video/video-1525174.html
https://www.tagesschau.de/video/video-1525114.html