Gymnasium Petrinum Brilon

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Philosophie - Eine erste Orientierung

Einer ersten Orientierung mögen die folgenden Informationen dienen :

Im Unterschied zu altbekannten und bewährten Fächern, von denen SchülerInnen wissen oder zu wissen meinen, was auf
sie zukommt und was von ihnen erwartet wird, wissen sie in der Regel über das Fach Philosophie sehr wenig. Bereits
bei der Frage, was denn Philosophie sei, fangen die Schwierigkeiten an, da das Spektrum dessen, was unter "Philosophie"
zu verstehen ist, sehr breit gefächert ist.
Daher kann hier auch nur sehr grob etwas Grundsätzliches zur Philosophie und zum Philosophieunterricht gesagt werden.
Die Philosophielehrer unserer Schule sind aber gern bereit, Neugierigen und Interessierten nähere Auskünfte zu geben.

Die Philosophie bietet weder endgültige Antworten auf bestimmte Fragen noch "ewige Wahrheiten". Philosophen sind
vielmehr bestrebt, allgemein vertretene Auffassungen, überlieferte Verhaltensweisen, Regeln und Normen kritisch zu
überprüfen. Sie versuchen daher systematisch, eine kritische Distanz zu Vertrautem und Selbstverständlichem zu gewinnen.
Philosophen gehen bei ihrem Bemühen um Erkenntnis und die Lösung von Problemen nicht davon aus, dass sie Antworten von
umfassender und abschließender Gültigkeit erhalten werden. Ein solches Ansinnen muss am Ausmaß der jeweiligen Fragen
(vgl. Inhalte) und an den Grenzen der menschlichen Vernunft seine Schranken finden. Philosophisches Fragen und Prüfen
hat keine wohlgeformten Wahrheiten zum Ziel, die man als handfeste Ergebnisse einer gezielten Suchaktion einsammeln und
forttragen könnte. Philosophie ist untrennbar verbunden mit der stets gegenwärtigen Möglichkeit des Irrtums, mit dem
Scheitern der Wahrheitssuche und der dennoch unbeirrten Hoffnung, immer bessere Vorschläge zum Verständnis und zur
Gestaltung unseres Lebens entwickeln zu können.

Es geht der Philosophie vor allem darum, zu bestimmten Fragen und Problemen Standpunkte zu gewinnen, die unabhängig
sind von gerade aktuellen Interessen, Trends oder bestimmten Ideologien, deren Voraussetzungen ihrerseits wieder
überprüft werden. Nur Standpunkte, die durch (selbst)kritisches Nachdenken, Vergleichen und Abwägen gewonnen werden,
können begründete und sinnvolle Entscheidungs- und Handlungsorientierungen ermöglichen.
Im Mittelpunkt philosophischen Arbeitens steht also das Fragen. Natürlich gibt es auch Antworten ; diese provozieren
aber immer wieder weiteres Fragen. Der Philosophieunterricht kann Hilfestellungen und Anregungen zu philosophischem
Fragen und Prüfen geben. Eine richtige Antwort wird er nicht geben. Dies zu sagen, gebietet die Fairness.
Der Philosophieunterricht ist demnach besonders interessant für SchülerInnen, die bereit sind, sich (selbst)kritisch
mit unterschiedlichen Auffassungen und Standpunkten auseinanderzusetzen und konsequent zu arbeiten. Für Denkfaule ist
Philosophie nun wirklich nichts - und auch nicht für SchülerInnen, die mit geringem Arbeitsaufwand eine gute Note
erzielen wollen. Denn die Durchführung des Philosophieunterrichts ist gekennzeichnet durch eine disziplinierte
methodische Auseinandersetzung mit Problemen, Problemlösungen und Problemlösungsstrategien, wozu vor allem auch
Arbeiten mit argumentativen Texten gehört. Ein Hauptziel der Arbeit an und mit philosophischen Texten ist es, in der
kritischen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Argumenten und Lösungsmöglichkeiten zu unterschiedlichen Problemen
eigene begründete Standpunkte zu finden. Ein nicht weniger wichtiges Ziel des Philosophieunterrichtes ist es,
Bedingungen und Methoden vernünftigen Argumentierens zu durchdenken, zu diskutieren und - vor allem ! - anzuwenden.
Anmerkung zum Organisatorischen : Philosophie ist ein eigenständiges Fach des sogenannten "gesellschaftlichen
Aufgabenfeldes" und kann als Grund- oder Leistungskurs - und damit als eines der vier Abiturfächer - gewählt werden.
- Zwar ist jemand, der das Fach Religionslehre aus Gewissensgründen abwählt, verpflichtet, Philosophie zu belegen;
doch unterscheiden sich die beiden Fächer inhaltlich und methodisch nicht unerheblich. Im übrigen spricht nichts gegen
die Belegung beider Fächer; die beiden Fächer stehen nicht in einem Gegensatz zueinander.