1850
Ein Antrag einzelner Briloner Bürger auf Ausbau des Progymnasiums zur Vollanstalt, die durch Spenden der Bürger mitfinanziert werden soll, wird von der Regierung in Arnsberg abgelehnt.
1856
Ein erneuter Antrag wird von Bürgermeister Hesse beim Schulkollegium in Münster eingereicht.
1857
Der Rat der Stadt Brilon
unterstützt den Antrag und
beschließt nach langem Widerstreben einstimmig die Umwandlung
des
Progymnasiums in eine Vollanstalt.
Gleichzeitig verpflichtet sich die Stadt, jährlich 6410 Taler
für das Gymnasium aufzubringen, angemessenen Schulraum zur
Verfügung zu stellen und für die Pensionen der Lehrer
aufzukommen.
14. Juli 1858
Durch Erlass des preußischen Kultusministers wird das Progymnasium zum Vollgymnasium erweitert, das nach dem Schutzpatron der Stadt "Gymnasium Petrinum" heißen soll.
23. September 1858
Die vom preußischen
Kultusministerium und vom Schulkollegium
in Münster erlassene "Geschäftsinstruktion
für das
Kuratorium des katholischen Gymnasiums zu Brilon"
tritt in Kraft.
§1: Das Gymnasial-Kuratorium zu Brilon bildet die
nächste
Aufsichts- und Verwaltungsbehörde des städtischen
katholischen Gymnasiums daselbst unter der Oberaufsicht des
Königlich Provinzial-Schulkollegiums zu Münster.
§2: Das aus 6 Mitgliedern bestehende Kuratorium soll sich wie
folgt zusammensetzen: Aus einem Mitglied des Stadtrats, einem Mitglied
des Magistrats (zu dieser Zeit die Exekutive der Stadt unter dem
Vorsitz des Bürgermeisters), dem katholischen Stadtpfarrer,
dem
Direktor des Gymnasiums und zwei weiteren, vom Schulkollegium zu
benennenden Briloner Bürgern, die zugleich Beamte sein
müssen.
Alle Mitglieder des Kuratoriums müssen der katholischen
Konfession
angehören.
1892
Im ehemaligen Klostergarten wird die Turnhalle gebaut, die zugleich als Aula dienen soll.
1899
Zwecks Hebung der Schülerzahl in der Unter- und Mittelstufe wird im alten Krankenhaus ein Schülerheim, das Konvikt oder Alumnat Petrinum, eröffnet, das von Ordensschwestern geleitet wird. Die Schülerzahl steigt von zunächst 17 im Jahr 1908 auf 55 an. Im 3. Reich wird das Konvikt aufgelöst.
1903
Durch einen Erweiterungsbau an
der Kapellenstraße werden
sechs neue Klassenzimmer und der auch als Konferenzzimmer benutzte
Physiksaal geschaffen.
Damit hat das alte Gymnasium im Wesentlichen seine heutige Gestalt
erhalten.
1914 - 1918
Das Gymnasium steht im
Schatten des 1. Weltkrieges.
"Von dem gewaltigen
Weltgeschehen des großen Krieges wurde das
Gymnasium Petrinum mächtig erfasst. Freudig und begeistert,
voll
heiligen Mutes und grenzenlosen Opferwillens, eilten die
Schüler
zu den Fahnen des kämpfenden Vaterlandes. Eine
Notreifeprüfung jagte die andere. Bis zum 1. Februar 1915
hatte
die Schule bereits 63 Schüler für den Krieg
aufgegeben. Am
26. Januar starb Josef Lenze als erster Briloner Schüler den
Tod
fürs Vaterland an der Westfront. Bereits am 5. März
1915
folgte ihm Werner Leiße, der in den Karparthen fiel. So
kämpften und starben sie in Ost und West, in Nord und
Süd.
Als letzter fiel Friedrich Keunecke, kurz vor Kriegsende, am 6.
November 1918. Mit Wehmut und mit hohem Stolz zugleich nennen wir die
Namen unserer 37 Schüler, die von der Schulbank hinweg an die
kämpfenden Fronten eilten und nicht wiederkehrten. Sie
opferten
sich in selbstverständlicher Pflichterfüllung
für Volk
und Vaterland, heldenmütig, selbstlos, todesbereit, wie es die
Schule lehrte und das Beispiel der Väter zu allen Zeiten. Das
Gymnasium Petrinum hält seine Helden hoch in Ehren. Am 16.
November 1923 wurde in feierlicher Weise eine Gedenktafel
enthüllt, die die Namen unserer 37 gefallenen Schüler
trägt. Sie ist im Westportal der Anstalt dem Haupteingange
gegenüber angebracht worden, so dass sie eine stete Ehrung sei
für die Gefallenen und eine immer währende Mahnung
für
alle lebenden Schüler, die im Laufe der Zeiten an ihr
vorbeischreiten werden."
(Zitiert nach: Dr. Schoo, Kurze Geschichte des Gymnasiums Petrinum. Aus
der Festschrift zur 75-Jahrfeier 1933)
1929
Der Verein ehemaliger Schüler des Gymnasiums Petrinum wird gegründet.
März 1933
Der angesehene Heimatforscher und Historiker Studienrat Josef Rüther, seit 1909 am Petrinum tätig, wird "wegen Krankheit einstweilen beurlaubt", in Wirklichkeit wegen "Verletzung der nationalen Ehre" vom Dient suspendiert.
1. bis 3. August 1933
Die Feiern zum 75-jährigen Bestehen des Gymnasiums stehen im Zeichen der nationalsozialistischen Machtergreifung.
1937
Wie überall im
Reichsgebiet wird das humanistische
(altsprachliche) Gymnasium in eine Oberschule umgewandelt. Die
Oberprima wird abgebaut, Latein wird reduziert und Griechisch ganz
aufgegeben, Englisch wird erste Fremdsprache und in der Oberstufe wird
ein mathematisch-naturwissenschaftlicher Zweig eingerichtet. Der
Religionsunterricht wird abgebaut, Leibeserziehung (mit Boxen) wird mit
fünf Wochenstunden wichtigstes Fach. Verbunden damit sind
Namensänderungen der Schule, sie heißt:
Bis 1937 Katholisches Städtisches Gymnasium Petrinum zu Brilon
Ab 1937 Petrinum, Städtische Oberschule für Jungen zu
Brilon
Ab 1939 Städtische Oberschule für Jungen zu Brilon
1939
Als Folge des 2. Weltkrieges wird der Unterricht stark eingeschränkt und kommt später ganz zum erliegen.
1940
Als Folge des erzwungenen schrittweisen Abbaus der von Ordensschwestern geleiteten Marienschule werden zunächst 34 Mädchen auf die Schule aufgenommen.
1945
Das Schulgebäude wird z.T. für die Einquartierung von Soldaten benutzt, Oberstufenschüler werden als Luftwaffenhelfer an der Diemeltalsperre eingesetzt und nach einem Notabitur zum Heeresdienst eingezogen. Von diesen sind 37 gefallen, 17 vermisst.
1946
Die Oberschule wird wieder umgewandelt in ein humanistisches (altsprachliches) Gymnasium und erhält den alten Namen "Gymnasium Petrinum".
1949
Auf Drängen vieler Eltern wird neben dem altsprachlichen auch ein neusprachlicher Zweig eingeführt mit Französisch statt Griechisch als dritte Fremdsprache.
1952
Aufgrund eines Landesgesetzes werden als neue Mitbestimmungsgremien Klassen- und Schulpflegschaften eingeführt.
1955
Die festlich begangene 300-Jahr Feier soll an die Gründung der Minoritenschule 1655 erinnern.
1957
Die letzte altsprachliche Klasse macht Abitur. Das Gymnasium wird rein neusprachlich.
1966
Das Gymnasium erhält ab Obertertia (Jgst. 9) einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig.
1971
Für Real- und Hauptschulabsolventen wird in der O II (Obersekunda) ein musisch-pädagogischer Zweig neu eingerichtet.
1973
Aufgrund eines Landesgesetzes wird die differenzierte Mittelstufe eingeführt. Damit wird die typengebundene, d.h. in verschiedene gymnasiale Zweige aufgeteilte Mittelstufe, aufgegeben. Mit Zustimmung aller Mitbestimmungsgremien wird die differenzierte gymnasiale Oberstufe eingeführt (Oberstufenreform). Der Unterricht im Klassenverband mit einem feststehenden Fächerkanon wird damit ersetzt durch vom Schüler individuell zu wählende Grund- und Leistungskurse.
1975
Das Gymnasium zieht um in den fertiggestellten Neubau am Carl-Diem-Weg. Damit werden die zu eng gewordenen Gebäude an der Kapellenstraße, die mit geringen Unterbrechungen über 300 Jahre der gymnasialen Erziehung gedient haben, verlassen.
1978
Durch ein neues Schulmitwirkungsgesetz wird als wichtiges Entscheidungsgremium in schulischen Angelegenheiten eine Schulkonferenz geschaffen, die sich zusammensetzt aus 18 Lehrern, 9 Eltern und 9 Schülern.
1983
Zum Zeitpunkt der 175-Jahr Feier hat das Gymnasium Petrinum 1132 Schüler, die von 74 hauptamtlichen Lehrern unterrichtet werden.
2005
350 Jahre Gymnasium Petrinum in Brilon